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Rechnungen nicht bezahlt: Verzugszinsen, Gesetze & Mahnvorlagen (2026)

8 Min. LesezeitVon InvoiNova Team

Wenn Kunden nicht pünktlich zahlen

Kurze Antwort: Der gesetzliche Verzugszins in der EU beträgt EZB-Satz + 8% (≈10,65% im Jahr 2026). In Deutschland gilt dasselbe, da die EU-Richtlinie vollständig umgesetzt wurde. Sie können Zinsen automatisch berechnen — ohne Vertragsklausel. Senden Sie drei eskalierte Mahnungen, bevor Sie rechtliche Schritte einleiten. InvoiNova ermöglicht es Ihnen, Zahlungsbedingungen und Bankverbindung auf jeder Rechnung anzugeben.

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Zahlungsverzug ist eines der häufigsten Probleme für Freelancer und Kleinunternehmer. Studien zeigen, dass 50–60% aller B2B-Rechnungen in Europa zu spät bezahlt werden, mit einer durchschnittlichen Verzögerung von 20–30 Tagen.

Ihre Rechte zu kennen — und sie klar zu kommunizieren — ist der schnellste Weg zur Bezahlung.


Rechtlicher Rahmen: Zahlungsverzugsgesetze

EU — Zahlungsverzugsrichtlinie (2011/7/EU)

Die Richtlinie gilt für alle Handelsgeschäfte in allen 27 EU-Mitgliedstaaten.

Kernregeln:

  • Standard-Zahlungsziel: 30 Tage nach Rechnungseingang (oder 60 Tage per Vereinbarung)
  • Gesetzlicher Zinssatz: EZB-Referenzzinssatz + 8 Prozentpunkte, gilt automatisch
  • Mindestentschädigung: €40 Pauschale pro überfälliger Rechnung
  • EZB-Referenzzinssatz (2026): 2,65% → gesetzlicher Zinssatz ≈ 10,65% pro Jahr

Deutschland

Deutschland hat die Richtlinie vollständig umgesetzt. Zusätzlich gilt:

  • § 288 BGB: Gesetzlicher Zinssatz für Verbraucher: Basiszinssatz + 5pp; für Unternehmer: Basiszinssatz + 9pp (≈11,37% im Jahr 2026)
  • § 286 BGB: Verzug tritt automatisch ein, wenn Zahlungsziel abgelaufen ist (bei Rechnungen mit Fälligkeitsdatum)
  • Mahnverfahren: Schnelles und günstiges Gerichtsverfahren für unstreitige Forderungen am zuständigen Amtsgericht. Kann online über das Mahngericht des jeweiligen Bundeslandes beantragt werden.

Verzugszinsen berechnen

Formel für gesetzliche Zinsen auf eine Rechnung:

Zinsen = Rechnungsbetrag × (Jahreszinssatz / 100) × (Verzugstage / 365)

Beispiel: €5.000 Rechnung, 45 Tage Verzug, EU-Zinssatz 10,65%

Zinsen = €5.000 × (10,65 / 100) × (45 / 365)
       = €5.000 × 0,1065 × 0,1233
       = €65,63

Zuzüglich €40 Pauschale = €105,63 insgesamt, die Sie rechtlich einfordern können.

In der Praxis verlangen die meisten Freelancer bei der ersten oder zweiten Mahnung keine Zinsen — aber die Erwähnung Ihrer Berechtigung beschleunigt oft die Zahlung.


Dreistufiges Mahnwesen

Stufe 1: Freundliche Erinnerung (1–3 Tage Verzug)

Gehen Sie von einem Versehen aus. Ton: neutral und professionell.

Betreff: Rechnung #INV-042 — Zahlungserinnerung [Datum]

Sehr geehrte/r [Name],

ich möchte Sie freundlich an die Rechnung #INV-042 über €[Betrag] erinnern, die am [Datum] fällig war. Möglicherweise ist die Rechnung untergegangen oder nicht angekommen.

Bankverbindung für die Überweisung: Bank: [Bankname] IBAN: [IBAN] | BIC: [BIC] Verwendungszweck: INV-042

Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen, [Ihr Name]


Stufe 2: Formelle Mahnung (7–14 Tage Verzug)

Überfälligkeit und Rechtsanspruch auf Zinsen benennen.

Betreff: 1. Mahnung — Rechnung #INV-042 überfällig

Sehr geehrte/r [Name],

die Rechnung #INV-042 über €[Betrag], fällig am [Datum], ist noch nicht beglichen. Hiermit mahne ich die Zahlung formell an.

Gemäß §§ 286, 288 BGB stehen mir ab Fälligkeitsdatum Verzugszinsen zu. Ich habe diese dem Rechnungsbetrag noch nicht hinzugerechnet.

Bitte begleichen Sie den Betrag innerhalb von 7 Tagen, um Mehrkosten zu vermeiden.

IBAN: [IBAN] | Verwendungszweck: INV-042

[Ihr Name]


Stufe 3: Letzte Mahnung / Inkassoandrohung (21–30 Tage Verzug)

Konsequenzen klar benennen — sachlich, nicht emotional.

Betreff: Letzte Mahnung — Rechnung #INV-042 (€[Betrag] + Zinsen)

Sehr geehrte/r [Name],

die Rechnung #INV-042 ist trotz zweimaliger Mahnung noch immer unbezahlt. Dies ist meine letzte Zahlungsaufforderung vor Einleitung rechtlicher Schritte.

Offener Betrag:

  • Hauptforderung: €[Betrag]
  • Verzugszinsen ([X Tage] × 10,65%): €[Zinsen]
  • Mahnpauschale: €40,00
  • Gesamtbetrag: €[Gesamt]

Sollte der Betrag nicht bis zum [Datum — 7 Tage] eingehen, leite ich ohne weitere Ankündigung [ein gerichtliches Mahnverfahren / Inkasso] ein.

[Ihr Name]


Nach den Mahnungen: Eskalationsmöglichkeiten

1. Gerichtliches Mahnverfahren (Mahnverfahren) Für unstreitige Forderungen: Antrag beim zuständigen Mahngericht (je nach Bundesland online möglich). Der Gegner hat 14 Tage Widerspruchsfrist. Günstig und schnell.

2. Inkassounternehmen Übernehmen das gesamte Mahnwesen gegen Provision (typisch 15–25%). Sinnvoll, wenn Sie die Kommunikation nicht selbst führen möchten.

3. Rechtsanwalt Ein anwaltliches Mahnschreiben löst häufig eine Zahlung aus — ohne Klage. Kosten: ca. €50–€200 für ein Schreiben.


Zahlungsverzug verhindern

Klare Zahlungsbedingungen auf jeder Rechnung angeben. Nicht nur "30 Tage", sondern das genaue Fälligkeitsdatum. InvoiNova hat ein Feld für Zahlungskonditionen. Lesen Sie unseren Leitfaden zu Zahlungsbedingungen für Rechnungen.

Bankverbindung direkt auf der Rechnung. IBAN, BIC und Verwendungszweck mit InvoiNovas benutzerdefinierten Feldern einfügen — keine Rückfragen vom Kunden.

Sofort fakturieren. Spät gestellte Rechnungen werden spät bezahlt.

Bei größeren Projekten: Anzahlung verlangen. 30–50% Vorschuss schützt Sie vor Totalausfall.


Zusammenfassung nach Ländern

LandZahlungszielZinssatz (2026)Pauschale
EU (alle Mitgliedstaaten)30 TageEZB + 8% ≈ 10,65%€40
Deutschland (B2B)30 TageBasiszinssatz + 9pp ≈ 11,37%€40
UK30–60 TageBoE + 8% ≈ 12,5%£40–£100
Serbien60 TageQuartalsweise (~15–18%)

Legen Sie Zahlungsbedingungen fest, bevor eine Rechnung überfällig wird. Beginnen Sie mit unserem Leitfaden zu Zahlungsbedingungen.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Laut EU-Zahlungsverzugsrichtlinie (2011/7/EU) beträgt der gesetzliche Zinssatz den EZB-Referenzzinssatz plus 8 Prozentpunkte. Im Jahr 2026, mit einem EZB-Satz von 2,65%, ergibt sich ein gesetzlicher Zinssatz von ca. 10,65% pro Jahr. Dieser gilt automatisch — ohne besondere Vertragsklausel.